RRK Intern

Neue Ehre für das Alte Bootshaus am Schopperplatz

24.02.2020

In der jüngsten Vergangenheit gingen mehrere Anfragen zu unserem ehemaligen Bootshaus am Schopperplatz 3 beim Pressewart des RRK ein. Zunächst war es nur ein Klubmitglied, das vorschlug, man möge doch den derzeitigen Pächter des Restaurants L’Osteria Da Nino mit entsprechenden Fotos animieren, das Lokal mit Bildern aus der Geschichte des historischen Gebäudes zu schmücken. Ein entsprechender Vorstoß stieß dann auch auf verhaltenes Interesse.

Bald darauf traf eine Anfrage des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege ein, das auf das alte Bootshaus als mögliches „Baudenkmal“ aufmerksam geworden war. Gefragt wurde nach Unterlagen vom Bau des Hauses, das 1896 fertiggestellt und eingeweiht worden war. Die einschlägigen Unterlagen sind jedoch im Lauf der Zeit und wohl auch wegen der Kriegswirren samt und sonders verloren gegangen. Selbst bei den Behörden, wo man solche Unterlagen vermuten sollte, hieß es „Fehlanzeige.“

Dennoch ist das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege nach einem Ortstermin und der Zusendung von Bildmaterial aus dem Archiv des RRK zu der Überzeugung gelangt, daß es sich bei unserem alten Bootshaus am Schopperplatz 3 um ein schützenswertes Baudenkmal handelt, das dann mit folgendem Wortlaut in die Bayerische Denkmalliste aufgenommen wurde:

„1. Baugeschichte und Baubeschreibung

Bei dem Objekt handelt es sich um das ehemalige Bootshaus des Regensburger Ruderklubs, das 1896 auf dem Oberen Wöhrd errichtet worden ist – damals in Alleinlage, heute umgeben von den Wohnbauten am Schopperplatz, zu denen das ehemalige Bootshaus eine auswinkelige Lage einnimmt. Heute befinden sich im Erdgeschoss ein Restaurant und im Obergeschoss Büroräume einer Firma.

Der zweigeschossige Baukörper wurde als Sichtfachwerkbau konstruiert (konstruktives und Zierfachwerk, wohl mit Ziegelfüllung, die verputzt ist und innen verkleidet) und schließt mit einem an der Haupteingangsseite abgewalmten Satteldach ab. Der Fachwerkständerbau zeigt an den Fassaden eine enge Rhythmisierung im Wechsel mit den hochrechteckigen Fensteröffnungen, wodurch eine Betonung der Vertikale entsteht. Ein Fries mit schräggestellten Ziegeln trennt die Geschosse. An der Westseite befindet sich ein Balkon und über dem Haupteingang zum Schopperplatz ist eine Loggia eingetieft, die wohl in den 1980er Jahren durch einen Eingangsvorbau zu einem Balkon ausgeweitet worden ist. An den Loggiawänden ist mit den bauzeitlichen Verbretterungen und ausgesägten Zierelementen um die hochrechteckigen Fenster sehr schön die ehemalige Fassadengestaltung erhalten und nachzuvollziehen. Auch die Bogenstellungen der Loggiaarkaden zeigen den Gestaltungsanspruch im Detail.
Dies wird auch im Inneren mit den Bogenbindern im Erdgeschoss fortgeführt: die flach gehaltenen, segmentbogigen Holzbinder überspannen die relativ große Raumbreite und sind an den Übergängen zu den Stützen mit einem Zierelement aus Eisen mit durchbrochener Fläche versehen, das einem bogenförmigen Bugholz nachempfunden ist. Der ursprünglich komplett ungeteilte Raum ist heute im hinteren Teil für die Restaurantnutzung abgeteilt (Küche, Toiletten). Der Keller ist heute einfach gefliest und in mehrere Räume unterteilt. Auch das Obergeschoss – ursprünglich ein großer Raum mit Kammern seitlich der Loggia – weist heute eine moderne Unterteilung für eine Büronutzung auf. Es wird separat über ein seitliches Treppenhaus erschlossen.

Leider liegen im Bauordnungsamt der Stadt Regensburg keine bauzeitlichen Planunterlagen vor. Historisches Fotomaterial macht aber deutlich, dass die Haupteingangsseite ursprünglich mit zwei flankierenden spitzen Pyramidendächern akzentuiert war (die zwischen 1936 und 1939 aufgegeben wurden), noch keinen Vorbau hatte und an der Rückseite ein schmaler Anbau war, der vermutlich die Geschosse individuell erschloss. Auch der Anbau für die heutigen Nebeneingänge an der Westseite ist später angebracht. In der ursprünglichen Nutzung war das Erdgeschoss als Raum für die Boote gedacht und daher stützenfrei mit segmentbogigen Bindern konstruiert. Aus einem Zeitungsartikel im Regensburger Anzeiger zur Eröffnung des Bootshauses 1896 geht hervor, dass der Bootssaal dem Verein bei Festen auch gleichzeitig als Tanzsaal diente. Außerdem gehörte zum Gebäude auch ein Garten mit Kegelbahn. Ein historisches Foto aus der Nachkriegszeit belegt, dass sich im Keller eine Ruderanlage zum Üben befand. Nach der Aufgabe des Gebäudes durch den Ruderklub um die Mitte der 1970er Jahre wurde das Gebäude einer anderen Nutzung zugeführt. Die damit einher gehenden Veränderungen umfassen u.a. den Einbau von Küche und Toiletten im Erdgeschoss für die Restaurantnutzung sowie einen Eingangsvorbau, die Unterteilung des Raumes im Obergeschoss für die Büronutzung, die Verlegung der Geschosserschließungen (Eingang ins Obergeschoss nun an der Westseite) und die Entfernung der Ruder-übungsanlage im Keller.

2. Begründung der Denkmaleigenschaft
Baudenkmäler sind nach Vorgabe des Art. 1 BayDSchG Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt. Sämtliche im Denkmallistentext genannten baulichen Anlagen und Anlageteile stammen aus vergangener Zeit.
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a. Denkmalbedeutung: geschichtliche Bedeutung
Die geschichtliche Bedeutung des ehemaligen Bootshauses am Oberen Wöhrd beruht auf den für Regensburg ungewöhnlichen Bautyp der Jahrhundertwende, der trotz der oben genannten Umnutzungen und den damit einher gehenden, teilweise reversiblen Veränderungen noch sehr gut ablesbar ist. Besonders erwähnenswert sind die konstruktiven Binder im Erdgeschoss, die in dieser Form ungewöhnlich sind. Hier ist die ehemalige Nutzung durch die relative Freihaltung des Raumes auch noch gut nachvollziehbar. Darüber hinaus steht der Bautyp mit seiner ursprünglichen Nutzung als ein bauliches Zeugnis für die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in Regensburg aufkommenden Sporteinrichtungen in Folge der Turnvater-Jahn-Bewegung. Diese konzentrierten sich vor allem an und auf dem Oberen Wöhrd. Bereits 1830 beschreibt ein Stadtführer die Badeanlagen am Fluss. 1885 erhält die auf den Schopperplatz zuführende Badstraße ihren Namen nach den Donaubädern an der Südseite des Oberen Wöhrds. Mit dem Bootshaus des Ruderklubs entstand hier das erste dauerhafte Sportgebäude, später gefolgt von der Turn- und Festhalle der Regensburger Turnerschaft 1929/30. Diese beiden Gebäude sind die einzigen noch erhaltenen baulichen Zeugnisse historischer Sportanlagen am Oberen Wöhrd. Ungewöhnlich ist die Errichtung des Bootshauses als Fachwerkständerbau mit Holzelementen und großen Fenstern. Zum einen wird hier klar Bezug genommen auf den Holzbau historischer Bootshäuser, zum anderen erinnert das Erscheinungsbild an gehobene Gartenhäuser, wie sie in den von Gärten durchsetzten städtischen Randgebieten im 19. und frühen 20. Jahrhundert durchaus üblich waren, wenn auch nicht in dieser Größe.

b. Denkmalbedeutung: städtebauliche Bedeutung
Die städtebauliche Bedeutung zeigt sich primär durch die Lage des Gebäudes auf dem Oberen Wöhrd und durch die im Vergleich der Nachbargebäude auswinkelige Stellung. Beim Bau des Bootshauses 1896 befand sich hier auf dem Oberen Wöhrd die westliche Bebauungsgrenze. Eine historische Fotoaufnahme kurz nach der Erbauung zeigt, wie durch die Schrägstellung und den beiden spitzen, damals noch vorhandenen  Pyramidendächern mit der Doppelturmfassade des Domes auf der anderen Seite des Flusses korrespondiert wurde.

Darüber hinaus nimmt die Position des Gebäudes aber auch Bezug auf die frühneuzeitliche Befestigungsanlage auf dem Oberen Wöhrd, die heute nur noch als Bodendenkmal (D-3-69-38-0943) fassbar ist, aber auf dem Urkataster von 1811 sogar noch eingezeichnet und mit Baumreihen begrenzt war. Somit kennzeichnet das ehemalige Bootshaus in doppelter Hinsicht frühere Grenzen.

3. Denkmalwürdigkeit
Aufgrund seiner geschichtlichen und städtebaulichen Bedeutung erfüllt das Objekt die Kriterien nach Art. 1 BayDSchG. Seine Erhaltung ist aus den, das öffentliche bzw. allgemeine Interesse gesetzlich definierenden Bedeutungsarten erforderlich und damit im Interesse der Allgemeinheit.“
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(Die Lage und Ausdehnung des Baudenkmals sowie evtl. auch Bilder dazu sind dem Bayerischen Denkmal-Atlas (http://www.denkmal.bayern.de) zu entnehmen.)

Zu verdanken ist diese „Ehrenrettung“ des Alten Bootshauses Dr. Anke Borgmeyer vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Denkmalerfassung und Denkmalforschung, Referat Denkmalliste und Denkmaltopographie.

Im übrigen arbeitet auch ein gewisser Stephan Ploke aus Düsseldorf „mit Helmut Griep und der Architektin Petra Hoffmann an der Dokumentation des Bestandes historischer Ruderbootshäuser aus der Periode der ersten 50 Jahre des Bestehens des DRV, also Bootshäuser, die in den Jahren 1883 bis 1933 erbaut wurden. Von diesem Bestand sollen 50-60 Objekte in einem großzügigen Bildband von ca. 250 Seiten dann auch veröffentlicht werden.“

Auch darauf darf man also gespannt sein.

(Die älteren Fotos stammen aus dem Foto-Archiv des RRK. Die Farbfotos jüngeren Datums von mir.)

R. F. Dietze

 

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Dr. Rudolf F. Dietze
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