RRK Intern

RRKler bei U23-WM in Florida

10.09.2019

Drei Wochen nach der Rückkehr aus Florida fassen Sebastian und Mira ihre Erlebnisse, Eindrücke und Emotionen der vergangenen U-23 Weltmeisterschaft in Florida zusammen. In den drei Wochen Trainingslager in Ratzeburg bei zum Teil herbstlichen Wetterbedingungen arbeiteten Sebastian Ritter (Vierer mit Steuermann) und Mira Moch (Vierer ohne Steuermann) noch einmal intensiv an der Technik und der Harmonie im Boot. Auch wurde in einem Raum versucht, das Klima des „Summer State“ Florida zu simulieren, um den Körper auf die Doppelbelastung vorzubereiten, der er während der WM ausgesetzt sein würde. Bei drei Trainingseinheiten am Tag, die aus Rudern, Krafttraining und alternativen Ausdauereinheiten bestanden, arbeiteten die Crews daran, sich optimal auf den Saisonhöhepunkt vorzubereiten, bei dem auf Spitzenniveau gerudert wird.

Nachdem das letzte Relationsrennen in Ratzeburg gefahren war, wurden alle Boote wieder zurück in ihre Heimatvereine gebracht, denn bereits acht Wochen vor WM Start wurde ein Satz Boote nach Florida verschifft, in denen die deutschen Mannschaften dann starten würden. Am Dienstag, dem 17. Juli ging es dann für die 74 Sportler, Trainer und Funktionäre mit einigen Umwegen der Flieger aus Witterungsgründen nach Orlando, wo Busse warteten, die die deutsche Mannschaft nach Sarasota brachten. Am nächsten Morgen fuhren dann alle Sportler zur Strecke, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen und ein paar Kilometer auf dem Ergometer zu rudern, denn der Container mit den Booten hatte zwei Tage Verspätung. In den nächsten Tagen ging es dann darum, sich zu akklimatisieren, die neuen Boote genau einzustellen und sich an die unbekannte Strecke zu gewöhnen. Leider fiel das nicht so leicht, da die Zeitpläne der Trainer immer wieder durch die täglich anstehenden Gewitter durcheinandergebracht wurden. So musste oft gewartet, umentschieden oder anderweitig trainiert werden.

Nach einer Eröffnungsfeier am Vorabend, ging es am Mittwoch endlich mit den Vorläufen los. Auf Grund der Anzahl der gemeldeten Boote bei Mira und Sebastian war der Qualifikationsmodus der, dass sich jeweils der Erste aus zwei Vorläufen direkt für das A-Finale qualifiziert. Anschließend ergattern dann die ersten vier Boote aus einem Hoffnungslauf bei Sebastian und die ersten zwei Boote aus zwei Hoffnungsläufen bei Mira die restlichen A-Finalplätze. Nach einem etwas verkorksten Start lagen Mira und ihre Viererpartnerinnen mit etwas Abstand auf die Spitze des Feldes zurück. Sie versuchten über die Strecke in ihre Stärke, den kraftvollen Streckenschlag, zu kommen, doch so recht mochte ihnen das nicht gelingen. Da wie bereits erwähnt nur der Erste direkt weiterkam, nahmen die Deutschen etwas im Tempo heraus und fuhren das Rennen technisch sauber zu Ende, da der Abstand nach ganz vorne bereits zu groß war. Die Hoffnung auf einen Finalplatz war dadurch jedoch nicht erloschen, denn sie wollten auf jeden Fall ihre Chance im Hoffnungslauf nutzen. Erneut gelang ihnen die Startphase nicht so, wie sie es im Training geübt hatten, doch heute musste alles versucht werden, den Kontakt nach vorne zu halten. Die anderen Boote ließen jedoch nicht locker und kämpften ebenfalls bis zur Ziellinie. Mit dem erreichten fünften Platz war somit der Traum vom A-Finale erst einmal geplatzt und Enttäuschung machte sich breit. „Was aber ganz toll war, war, dass wir als Vierer zusammengehalten haben. Gemeinsam gewinnen und verlieren, das muss man auch erstmal schaffen. Also wollten wir im B-Finale nochmal alles geben und zurück in unseren starken Streckenschlag kommen“, berichtet Mira. 

Für Sebastian begann die WM ebenfalls mit einer harten Aufgabe, da sich jeweils nur das erste Boot aus zwei Vorläufen für das A-Finale am Sonntag qualifizierte. Die Mannschaft konnte die ersten 500 m mit dem hohen Tempo des Feldes mithalten, musste dann aber auf dem zweiten Streckenviertel die Australier ziehen lassen. Es entwickelte sich trotz eines aussichtslosen Sieges ein Bord-an-Bord-Kampf mit den späteren Vize-Weltmeistern aus Großbritannien und der Mannschaft aus Irland. „Wir sind alle top fit gewesen und wollten natürlich auch wissen, wie schnell wir sein können. Wir wollten keine Schwäche zeigen und hatten im Kopf, dass wir einen guten Endspurt fahren können“, berichtet Sebastian. Der Vorlauf endete mit einem Fotofinish mit den Briten und vor den Iren. Trotz der verpassten Direktqualifikation war die Stimmung im Boot gut, denn man war sich einig, dass noch mehr drin ist. Steuermann Florian berichtete nach dem Rennen außerdem, dass sein Steuer nicht richtig funktionierte, was der Mannschaft ebenfalls Mut für den Hoffnungslauf machte. Die Aufgabe für den nächsten Tag war klar: die ersten vier Boote würden weiterkommen. Nach ausführlicher Analyse der GPS-Daten der anderen Länder, die der Bootstrainer „Korni“ sogar graphisch präsentierte, waren die Ziele für das Rennen klar. Mit allen Mitteln sollten sie im zweiten Teilstück der Strecke schneller sein und damit den Anschluss ans Feld halten. Der Hoffnungslauf startete für die deutsche Crew sehr schnell und sie konnten ihren Bugball in den ersten Schlägen sogar ganz nach vorne schieben. Auf Grund eines technischen Fehlers wurde das Rennen in der Startphase jedoch durch ein Signal der Schiedsrichter abgebrochen und alle Boote mussten zum Startblock zurückkehren. „Ich glaube, wir haben dadurch ein wenig die Spannung verloren“, so Sebastian, denn in der zweiten Runde starteten sie deutlich langsamer und hatten schon früh Probleme, das Tempo zu halten. „Wir haben alles dafür getan, um den Anschluss an das Feld nicht zu verlieren, aber nichts hat funktioniert. Das war extrem frustrierend.“ Trotz eines schnellen Endspurts reichte es nicht für das A-Finale und die Enttäuschung saß tief. Keinem war so richtig klar, wieso die Mannschaft jetzt gerade auf der WM nicht das abrufen konnte, was sie geübt hatte. Nach einem Tag Pause ging es also im B-Finale weiter. Die Worte des Trainers waren klar: „Kein Rennplan, lasst einfach euren Frust raus“ Das tat die Crew um Sebastian dann auch, musste sich aber dennoch den ebenso engagierten Iren geschlagen geben.

Eine Stunde später startete dann auch Miras Vierer im B-Finale und sie wollten ebenfalls einen versöhnlichen Abschluss mit dieser WM finden. In diesem Rennen gelang ihnen die Startphase wieder besser und sie lagen eine lange Zeit auf dem dritten Rang. Ab der 1500 m-Marke lieferten sie sich dann einen Bord-an-Bord-Kampf mit den sprintstarken Australierinnen, bei dem sie aber 200 m vor dem Ziel abreißen lassen mussten. Nachdem die Ziellinie überquert war, machte sich erneut große Enttäuschung breit, woraufhin Mira wurde von ihrem Vereinskollegen Sebastian am Steg mit einer tröstenden Umarmung empfangen wurde.

Nachdem die Boote dann abgeriggert und bereit zum Verladen waren, machten sich die zwei Regensburger dann auf zur Tribüne, um ihren deutschen Ruderfreunden bei den A-Finals zuzujubeln. Die eigene Enttäuschung rückte dann in den Hintergrund, als der ehemalige RRKler Jonathan Schreiber, der jetzt für den RV Erlangen startet, in einem unglaublich tollen Rennen im Leichtgewichtsdoppelzweier zum Weltmeistertitel ruderte. Gemeinsam mit ihm und der ganzen deutschen Mannschaft wurde dann am Abend noch ein wenig gefeiert, bevor es am nächsten Tag zurück nach Hause ging.

„Mit ein bisschen Abstand zu diesem Erlebnis können wir sagen, dass wir sehr froh sind, dabei gewesen zu sein und dass wir diese Erfahrung machen durften. Dafür wollen wir uns ganz besonders bei unserem Klub und allen, die uns das ermöglicht haben, bedanken“, sagen Mira und Sebastian zum Abschluss.   

Mira Moch und Sebastian Ritter

Frauen Vierer ohne, von links nach rechts: Mira Moch, Charlotte von Bockelmann (MRC), Charlotte Körner (Siegburger RV), Marieluise Witting (Ratzeburger RC); Männer-Vierer mit, von links nach rechts: im Bug (nicht zu sehen): Florian Koch (Donau-Ruderclub Ingolstadt), Alexander Vollmer (Alster RV Hanseat), Sebastian Ritter, Ole Kruse (Ruderverein Münster), Nils Vorberg (RC Favorite Hammonia). Fotos 1 & 2: Meinruderbild.de/Seyb
Dreier-Bild: Sebastian, Mira, Jonathan. Foto: Schwier/DRV

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Dr. Rudolf F. Dietze
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